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Gesundheitsrisiko Einsamkeit: So helfen Gesten und Gespräche


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Einsamkeit ist nicht nur ein Thema des Alters. Viele Menschen kennen sie - besonders Jüngere und Alleinlebende. Gleichzeitig bleibt sie oft unsichtbar und schambehaftet. Sie ist ein stilles Leiden, das viele Menschen auch gesundheitlich beeinträchtigt.

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib unter Personen ab 18 Jahren. Demnach haben sich rund 70 Prozent der 1.028 Befragten im vergangenen Jahr zumindest «selten» einsam gefühlt, 21 Prozent ein paar Mal im Monat, rund 11 Prozent wöchentlich und fast 13 Prozent mehrmals pro Woche. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) haben das Gefühl, dass Einsamkeit schon einmal ihre psychische oder körperliche Gesundheit belastet hat. Die Umfrage wurde Mitte Juni durchgeführt.

Einsam unter Vielen: Reden statt Schweigen 

Wer einsam ist, ist nicht unbedingt allein, das zeigt sich auch hier: Von den betroffenen Befragten geben rund 23 Prozent an, sich in Situationen besonders einsam zu fühlen, obwohl sie von Menschen umgeben sind, etwa in der Familie, bei Veranstaltungen oder im Büro. Knapp 71 Prozent vermuten Menschen im eigenen Umfeld, die einsam sind, ohne dass man es weiß. 

Kommunikation über Messenger wie WhatsApp oder Social Media könnten echte Nähe nicht ersetzen, finden gut 83 Prozent. Gleichzeitig wäre es gut einem Fünftel (21,5 Prozent) der Befragten unangenehm oder peinlich, über eigene Einsamkeit zu sprechen; 19,6 Prozent würden es für sich behalten. 

Scham und Schweigen - das ist keine Lösung, erst recht nicht bei einem Problem, das so viele Menschen betrifft (Stichwort «Einsamkeits-Epidemie»). 2023 hat die Bundesregierung eine Strategie gegen Einsamkeit beschlossen. Das Bundesfamilienministerium fördert das Kompetenznetz Einsamkeit, das unter anderem Forschung, Wissenstransfer und Angebote bündelt und in dem auch Betroffene mitarbeiten. 

Um erste Schritte aus der Einsamkeit zu gehen, rät das Netzwerk: 

  • Sprechen Sie Menschen an: Im Zug, in der Nachbarschaft oder beim Sport. Die Forschung zeigt: Menschen unterschätzen systematisch, wie angenehm und interessant Gespräche mit anderen sein werden. Die tatsächliche Erfahrung war durchgehend positiver als die Erwartung – ob mit Fremden oder Bekannten, ob persönlich oder online.
  • Werden Sie in der Nachbarschaft aktiv: Helfen Sie beim Tragen von Einkäufen oder Kinderwagen, halten Sie die Tür auf oder beginnen Sie spontan ein kurzes Gespräch. Gemeinschaft entsteht schon durch kleine Gesten.
  • Nutzen Sie lokale Angebote: Sportvereine, Volkshochschulen, Seniorentreffs oder Nachbarschaftsinitiativen bieten Zugänge zur Gemeinschaft. Fündig werden Sie auf der Angebotslandkarte des Kompetenznetzes Einsamkeit, auf der Website Ihrer Gemeinde oder über Social-Media-Angebote.

Auf der Webseite des Kompetenznetzes gibt es eine Übersicht zu Angeboten, die Betroffenen telefonisch oder online helfen können, darunter Hilfs- und Beratungsstellen, aber auch Apps. Außerdem kann man über die Angebotslandkarte Projekte in seiner Region suchen und finden. 

Wichtig dabei, so das Kompetenznetz: Es gibt «nicht die eine Antwort auf die Linderung eines subjektiven Leidens. Denn Einsamkeit ist so vielseitig, wie die Menschen, die sie verspüren, die Ursachen, die sie ausmachen und die individuellen Biografien, die sie formen». 

Schmerz und Stress können krank machen: Besser vorher handeln

Was aber für alle Formen gilt: Einsamkeit bedeutet, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen, die man sich wünscht, und die, die man tatsächlich hat, sich auf eine Art unterscheiden, die als schmerzvoll empfunden wird. Es geht also nicht darum, wie viele Freunde und Bekannte man hat, sondern wie nah diese Beziehungen erlebt werden. Von einem «sozialen Schmerz» spricht die Psychologie-Professorin Maike Luhmann, die zum Thema forscht und das Buch «Einsamkeit: Warum sie uns alle betrifft» veröffentlicht hat.

Wer sich dauerhaft einsam fühlt, sollte sich auch professionelle Hilfe suchen, etwa Hausärztin oder Hausarzt davon berichten - bevor es zu weiteren gesundheitlichen Folgen kommt. «Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depression und Angststörungen und auch für viele körperliche Erkrankungen, von einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungen über Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems bis hin zu Typ-2-Diabetes und Demenz», so Luhmann.


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(23.06.2026)


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